Traude Linhardt
Installation im Martin Schalling Haus
Protestantische Kirche und Gemeindezentrum in Kümmersbruck, Amberg
Innen und Aussen, Licht und Transparenz
Ein Kirchenraum, der Innen und Aussen verbindet, ein Glasquader im Dialog mit Jahreszeiten ist etwas Ungewöhnliches und Neues.
Der Entwurf von Architekt Georg Zunner und seines Mitarbeiters Michael Graef
wird ergänzt durch die Arbeiten des Bildhauers Herbert Lankl – Altar und Ambo - und der Künstlerin Traude Linhardt.
T. Linhardt gestaltet eine Kreuzbahn 260 x 160 cm als feststehende Fläche hinter dem Ambo und 10 weitere semitransparente Nesselbahnen im Altarraum, 260 x 130 cm, die an entsprechenden Rahmen im Kreis unter der Kuppel verschoben werden können. Diese Konstruktion erlaubt eine variable Form des Raumes, d.h. je nach Anlaß kann ein offenes oder geschlossenes Rondell um die Prinzipalstücke und die Stühle geschaffen werden.
Die Arbeiten sind aus Roh- und Siebnessel, mit Acrylfarben und Pigmenten bestrichen, wieder abgenommen, neu aufgetragen, bis nach 6 bis 12 Schichten beidseitig eine haptische, freskenähnliche Oberfläche entsteht, die an alte Mauern und Vergänglichkeit erinnert. Die Lichtdurchlässigkeit erlaubt eine Überlappung der Bahnen, die damit ihre Farbigkeit ändern und sich der Tages- und Jahreszeit anpassen.
Die Kreuzbahn adaptiert die Farbe des Muschelkalkes von Ambo und Altar, macht aber durch das Abschaben der Farben auf die Leidensgeschichte Christi aufmerksam. Die Einschnitte unterstreichen die Form des Kreuzes und lassen Licht von aussen oder Beleuchtung von innen sichtbar werden. Die Rückseite – alle Arbeiten sind zweiseitig gestaltet - zeigt ein nur weißes Kreuz, die Summe aller Farben, als Vereinigung der Menschheit und des Christentums.
Die Farbgebung der Bahnen ist bewusst gewählt: Die zwei weißen Bahnen stehen für Freude, Klarheit und Reinheit, die gelben strahlen Wärme aus, sind zum Teil goldähnlich als Zeichen für Licht und Ewigkeit. Das tiefe Orange ist die Farbe der Sonne und der wärmenden Strahlung. Grau weist auf Trauer und Tod hin, deshalb benachbart zur Kreuzbahn. Die rosa Bahn, stellvertretend für die Farbe Rot, ist Ausdruck von Feuer, Blut, Leben und Freude. Die Farbe rosa-rot vermittelt Glück und Wohlbefinden.
Die Gestaltung dieses Innenraumes in seiner Transparenz und Farbigkeit soll die Gläubigen im Sichgeborgenfühlen zum Dialog mit Gott und den Mitmenschen führen.
Traude Linhardt
Das neue Martin-Schalling-Haus Kümmersbruck -
eine einladende, zur Schöpfung und zur Welt offene Kirche
Kümmersbruck Die evangelische Paulanergemeinde Amberg ist glücklich: im Sprengel Kümmersbruck gibt es nun nach 32 Jahren mit Behelfsräumen aus der Nachkriegszeit eine moderne Kirche mit ansprechenden Gemeinderäumen.
Der vertraute Name „Martin-Schalling-Haus“ ist bewusst geblieben; das dazugehörige Gebäude aber ist nun neu, einladend, ansprechend und ausgesprochen gut gelungen.
Am Sonntag, dem 17. Januar, weihte der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Dr. Johannes Friedrich, die neue Kirche und die Gemeinderäume ein. Die Gottesdienstbesucher füllten gleich alle Räume des neuen Hauses und zeigten damit auch das große Interesse an diesem modernen Kirchenbau.
Durchsicht nach innen und außen – zur Schöpfung und zur Welt
Mit ihren Glasflächen bleibt die neue Kirche für die sie umgebende Natur und für die Menschen am Ort transparent. Architekt Georg Zunner, Amberg, macht damit deutlich, dass die Christen, die Gottesdienst feiern, mit ihrer Hoffnung und ihrem Engagement ins Leben hinauswirken und sich einbringen wollen in die sie umgebende Ortsgemeinde.
Umgekehrt sollen in den Gottesdienst die Freuden, Sorgen und Fragen der Menschen von draußen einfließen.
Aus vielen Äußerungen von Menschen unterschiedlichen Alters wird deutlich: die neue Kirche ist nicht nur von ihrer Außenwirkung her bestens gelungen – nein, sie vermittelt auch eine Atmosphäre, in der Gebet und Gemeinschaft, Meditation und Kirchenmusik sich gut entfalten können.
Christus, die Mitte – Lebensquelle und sendender Herr der Gemeinde
Die spirituelle Mitte mit Altar und Kanzel wurde durch den Bärnauer Künstler Herbert Lankl geschaffen. Er greift mit seinen schlichten, ausdrucksstarken Urformen aus Muschelkalk die klare Struktur des Raumes auf und konzentriert diesen auf die Mitte hin. Deutlich sieht man noch im verwendeten Stein die Ablagerungen der Sedimentschichten; so wird auch ein Stück Erdgeschichte in Erinnerung gerufen.
Auf einen eigenen Taufstein wurde verzichtet. Stattdessen hat Herbert Lankl eine Taufschale aus Bronze gegossen, die bei Taufgottesdiensten auf dem Altar stehen wird. Durch den Lichtausschnitt in der Kuppel fällt zudem das Sonnenlicht gebündelt auf den Altar. – So konzentrieren sich dort alle vier Elemente: Erde (Altar), Feuer(Taufschale), Wasser und Luft. Christus aber ist das Lebenselement schlechthin, „durch den alles geschaffen wurde“ (vgl. Johannes 1,3).
Wort und Sakrament, Anbetung und Taufe und Abendmahl weisen damit auf Jesus Christus, die Mitte des Glaubens und der Gemeinde.
Die Münchner Textilgestalterin Traude Linhardt hat mit ihren bespannten und beweglichen Flächen dieses Zentrum noch betont. Ihre farbigen Behänge fangen das Licht ein und wirken zu jeder Tageszeit anders. Sie sind zum einen ein meditatives Element, sorgen aber zugleich für den Sichtschutz und für eine bessere Akustik. Zugleich ermöglichen sie es, den gottesdienstlichen Raum verschiedenartig zu öffnen und zu gestalten – sei es für den Bedarf einer meditativen Andacht oder für ein größeres Konzert.
Vielseitig nutzbare Gemeinderäume
Das geräumige Foyer der Kirche erfüllt gleich mehrere Aufgaben: In diesen Raum hinein können sowohl die Kirche als auch die Gemeinderäume bei Festgottesdiensten oder großen Anlässen erweitert werden. Und nach jedem Gottesdienst ist dort auch Raum für Gespräch und Begegnung.
Die beiden Gemeinderäume, bewusst zur Gartenseite hin orientiert, nehmen mit ihrengroßen Fensterflächen das Licht und die Wärme von draußen auf (besonders im Winter). Sie lassen sich in der warmen Jahreszeit nach draußen hin öffnen und mit den Freiflächen kombiniert nützen (z.B. zur Jugendarbeit oder bei großen Festen).
Energie- und kostensparende Bauweise
Bewusst wurde bei der Bauausführung auch auf Umweltaspekte geachtet. Das gesamte Gemeindehaus ist ein gut gedämmter Holzfertigteil-Bau. Kirche und Foyer, Küche und Sanitärbereich sind mit einer Fußbodenheizung versehen. Und das Dach des Gemeindehauses wird noch mit einer Photovoltaik-Anlage ausgestattet. Die Wärme für das gesamte Gebäude kommt aus der kommunalen Nahwärme-Versorgung (Hackschnitzel-Heizwerk).
Pfarrer Kroninger |